To-do-Listen, ich liebe euch!

To-do-Listen, ich liebe euch!

Wie ich im Shutdown meine Liebe zu To-do-Listen (wieder)entdeckt habe

Der Winter im Shutdown ist hart. Die Zeit vergeht irgendwie, und ob es jetzt Montag oder Donnerstag ist, und was letzte Woche eigentlich war, weiss ich manchmal auch nicht mehr. Es ist grau und nass, ich sitze also mehrheitlich (dank meiner privilegierten Situation als «Home-Office-Worker») zu Hause. Ich versuche, meine Tagesstruktur aufrecht zu erhalten, denn ich weiss, dass es ohne sie bei mir abwärts geht. An Tagen, an denen auch dieser Strohhalm sich aufzulösen droht, gibt mir etwas Halt, was ich nicht gedacht hätte: To-do-Listen.

Ich muss gestehen, ich liebe To-do-Listen. Insbesondere, seit es mir gelingt, meine To-Dos im Rahmen des realistisch Machbaren zu halten. Einerseits von der Menge, andererseits vom Umfang her. Also statt: «Steuererklärung machen» unterscheide ich jetzt mehrere Einzelschritte wie «Dokumente für Steuererklärung zusammensuchen», «Software für Steuererklärung runterladen», «Steuererklärung anfangen», «Fehlende Unterlagen für Steuererklärung suchen», «Steuererklärung abschliessen», «Steuererklärung einreichen». Das sieht doch gleich viel machbarer aus, und ich verhunze mir damit nicht gleich einen ganzen Tag, sondern kann schön aufteilen. Ich habe auch verschiedene Listen, eine für das ganze Jahr mit eher übergeordneten Zielen, eine pro Monat und eine wöchentliche. Das hilft mir auch, um das grössere Ganze im Blick zu halten, wenn ich das Gefühl habe, ich komme nicht weiter.

Wenn ich also an einem Tag gar keinen Antrieb habe, dann habe ich immer noch meine Liste, jeweils für eine Woche erstellt, auf der Dinge darauf warten, dass ich sie durchstreichen kann. Rechnung bezahlt? Zack, durchstreichen. Endlich mal wieder den Schreibtisch aufgeräumt? Fertig! Der Trick ist, auch schöne Dinge auf die To-do-Liste zu setzen. Also z.B.: Mit XY Telefonieren. Meine Zimmerpflanzen pflegen. Kuchen backen. Tee trinken. Und auch Dinge, die mir gut tun: Laufen gehen. Termin für Therapie abmachen. Kleiner Ausflug ins Grüne. So sorge ich dafür, dass ich meine Freude, mein «Pleasure», in all dem nicht vergesse. Und gleichzeitig wird trotzdem der Teil von meinem Hirn, der gerne Dinge «erledigt», befriedigt. Win win. Die To-do-Liste hilft mir also gerade dabei, meine Selbstwirksamkeit zu erfahren, wie man in der Psychologiewelt sagt. Sie geben mir das Gefühl, Struktur schaffen zu können und mit meinen Handlungen etwas erreichen zu können.

Das ist für mich das Schönste an To-do-Listen. Denn solche Listen können auch leicht in das Gegenteil abrutschen. Ich könnte mich auch mit Dingen vollballern, die andere Leute von mir wollen. Oder auch mich mit unangenehmen Aufgaben überfordern und dabei die schönen, hilfreichen Dinge vernachlässigen. Oder es wird mein Disziplinierungsinstrument, wenn ich nicht genügend Raum für Spontaneität lasse. Deshalb mache ich auch nicht gerne fixe Listen für einen Tag, sondern belasse es bei einer Woche: So kann ich die To-Dos jederzeit herumschieben, mir die aussuchen, für die ich gerade Energie habe, und trotzdem die restlichen To-Dos nicht vergessen.

So, das war mein kleiner Werbeblock für (den eigenen Bedürfnissen entsprechenden) To-do-Listen. Und wie schön, mit diesem Text habe ich auch schon wieder etwas gemacht. Das reicht jetzt aber auch für heute…