Beratung erklärt 1: Was ist psychosoziale Beratung?

Beratung erklärt 1: Was ist psychosoziale Beratung?

In dieser Folge starte ich die kleine Serie „Beratung erklärt“, in der ich darüber spreche, was überhaupt psychosoziale Beratung ist, was für Methoden es gibt und wie sie praktiziert wird. Dies ist die erste Folge, in der ich darüber spreche, was für mich Beratung ist und wie ich sie von anderen Angeboten wie Psychotherapie oder Coaching abgrenze. Inspiriert zu dieser Folge hat mich meine neueste Webseite-Überarbeitung – unter diesem Link findest du mein Beratungsverständnis erklärt auf meiner Webseite.

Zusammenfassung der Folge

Bevor ich ins Thema einsteige berichte ich in der Rubrik „Ich gspürmi, ich fühlmi“, dass mir die Sommerpause sehr gut getan hat. Ich habe viel darüber nachgedacht, wie ich die Beratung als ein Geschäft führen möchte, über Selbständigkeit im Allgemeinen und über Vermarktung. Einerseits ist es mir unangenehm, mich zu vermarkten, andererseits findet mich sonst niemand. Vielleicht werde ich dieses Thema in einem eigenen Podcast, da es mir sehr wichtig scheint.

Beratung „psychosozial“ oder“psychologisch“?

In der neuesten Überarbeitung meiner Webseite verwende ich nun vermehrt „psychosozial“ statt „psychologisch“. Meist werden die beiden Begriffe gleichbedeutend verwendet und es gibt auch keine „offizielle“ Abgrenzung, wer welchen Begriff verwenden darf. Auch wenn ich weiterhin beide Begriffe verwenden werde, tendiere ich eher zu „psychosoziale Beratung“. Dies einerseits, weil es der offizielle Titel ist, den ich anstrebe: Die eidgenössisch anerkannte Höhere Fachprüfung in „Psychosozialer Beratung“. Ausserdem gefällt mir, dass mit dem Begriff der soziale Aspekt betont wird, also die gesellschaftlichen Strukturen, in denen wir uns bewegen. Da mir wichtig ist, Probleme nicht zu sehr zu individualisieren (wie es in der Psychologie oft geschieht), sondern auch die grösseren Zusammenhänge zu sehen.

Was ist psychosoziale Beratung?

Das Ziel einer psychosozialen Beratung ist es, Menschen dabei zu unterstützen, ihre Ressourcen zu nutzen bzw. zu erkennen, sich insgesamt wohler zu fühlen, Bedürfnisse und Grenzen wahrnehmen sowie kommunizieren zu können und zu lernen über schwierige Themen reden zu können.

Im Gegensatz zur Psychotherapie behandelt man in der Beratung keine psychologischen Erkrankungen und arbeitet nicht mit Diagnosen. Vielmehr kann Beratung vorbeugend wirken – also Probleme angehen, bevor sie zu Erkrankungen werden. Ausserdem liegt derer Schwerpunkt liegt dabei weniger in der Vergangenheitsbewältigung, sondern darin, Herausforderungen und Probleme in der Gegenwart anzugehen. Das übergeordnete Ziel von Psychotherapie und psychosozialer Beratung ist aber dasselbe.

Coaching dagegen arbeitet in der Regel nach einer bestimmten Methode, die zu einem bestimmten Ziel führen soll. Es ist deshalb strukturierter als eine Beratung, deren Ziele sehr unterschiedlich sein können.

Wie läuft eine psychosoziale Beratung ab?

Mir ist es wichtig, die Beratung an den Bedürfnissen der Person auszurichten, die zu mir kommt. Ich verstehe Beratung als einen Service, den ich anbiete, und den du massgeblich mitgestaltest. Ich sehe mich nicht in der Expert*innenrolle, von der aus ich dir sage, was du brauchst. Die Gestaltung einer Sitzung ist immer auch ein Aushandlungsprozess, bei dem wir klären, was es gerade braucht.

In der Regel nimmt das Gespräch einen wichtigen Raum ein in unseren Sitzungen. Es gibt daneben aber eine Vielzahl von anderen Ausdrucksweisen, die wir in der Beratung nutzen können. MIr ist es wichtig, auch ab und zu aus dem Reden/Gedanken-Modus in die Wahrnehmung, das Erleben zu kommen – sofern es auch für dich stimmig ist, natürlich. Beispiele sind etwa Focusing, Malen, Bewegung, Imaginationen, durch Objekte verschiedener innerer Anteile in Dialog treten lassen, Selbstwahrnehmungsübungen und vieles mehr.

Wie lange dauert eine psychosoziale Beratung?

Es ist schwierig zu sagen, wie oft und wie lange eine Beratung dauert. Letztendlich entscheidest du, wie oft und wie lange du kommen möchtest. Sitzungen in kürzeren Abständen (wöchentlich oder 14-täglich) eigenen sich, um an aktuellen Themen dranzubleiben. Sind die Abstände grösser (drei Wochen und mehr), widmen wir uns eher an längerfristigen und übergeordneten Themen. Die erste Sitzung dient dazu, uns gegenseitig kennenzulernen und das Vorgehen sowie die Ziele für die weiteren Sitzungen zu besprechen. Mir ist dein Feedback sehr wichtig, deshalb werde ich es regelmässig einholen und die Sitzungen daran ausrichten.

Ein Beratungsprozess muss nicht jahrelang dauern (ausser natürlich, du möchtest das). Bei vielen Herausforderungen reichen 5-8 Sitzungen. Du kannst auch nach ein, zwei Sitzungen entscheiden, dass meine Art der Beratung oder Beratung allgemein nicht das ist, was du gerade suchst. Oder du kommst ab und zu für ein paar Sitzungen, wenn du gerade Bedarf hast.

Für wen ist psychosoziale Beratung?

Grundsätzlich freue ich mich über jede Person, die zu mir in die Beratung kommt. Schwerpunktmässig arbeite ich aktuell mit Erwachsenen im Einzelsetting.

Ich wende mich mit queer.growing.support an queere Menschen, da es meiner Meinung nach für Queers zu wenig Angebote im Bereich psychische Gesundheit gibt. Dein Queer-Sein muss aber nicht im Zentrum der Beratung stehen. Du bist ebenfalls bei mir willkommen, wenn du dich nicht als queer verstehst, aber eine diskriminierungssensible Begleitung wünschst.

Zum Schluss: Ein Focusing zum Thema „Unterstützung holen“

Neu werde ich in jeder Folge eine kurze Sequenz hinzufügen, die du für dich selber üben kannst. Sie soll einen kleinen Einblick geben darin, was für Selbstwahrnehmungs-Übungen wir auch in der Beratung machen könnten. Ausserdem möchte ich dir gerne mit jeder Folge etwas auf den Weg geben, ohne dass ich anfange, Tipps zu geben – denn diese funktionieren nie für alle.

Unterstützung holen.

Was für Gedanken, Bilder, Erinnerungen kommen auf, wenn du „Unterstützung holen“ hörst?

Beobachte, was aufkommt, ohne zu urteilen oder zu sehr an etwas hängenzubleiben.

Was sind das für Gedanken / Bilder / Erinnerungen?

Was für Situationen sind das? Sind es eher Situationen, in denen du dir Unterstützung gewünscht hättest, oder welche, in denen du Unterstützung bekommst?

Was für eine Unterstützung ist es? Ist es eher praktische, konkrete Unterstützung oder eher weniger fassbare, ideelle Unterstützung?

Was für Personen / Wesen / Dinge sind es, die Unterstützung geben? Oder von wem hättest du dir Unterstützung gewünscht?

Wenn du jetzt auf das zurückblickst, was bisher zum Thema „Unterstützung holen“ aufgekommen ist – wie fühlt sich dein Körper an? Ist es eher ein Gefühl von Spannung, Druck, Anstrengung? Oder eher eines von Entspannung, Ruhe, Weichheit? Oder etwas ganz anderes?

Zum Abschluss schau noch einmal, ob es Dinge gibt, die noch fehlen, die du noch dazunehmen möchtest.

Gibt es etwas, das das Bisherige zusammenfasst? Etwas, das du aus diesem Focusing mitnehmen möchtest? Ein Bild, eine Geste, eine Erkenntnis, eine Stimmung?

Damit sind wir am Ende.

Ich hoffe, du konntest etwas aus dieser kleinen Übung mitnehmen! Und wenn nicht, ist das auch nicht schlimm – es ist völlig normal, dass du nicht mit jeder Übung gleich viel anfangen kannst.

Abschluss

Wir hören uns in der nächsten Folge. Wenn dir der Podcast gefällt, dann abonniere ihn gerne, erzähle andern davon und gibt mir eine gute Bewertung. Fragen und Anmerkungen gerne per Instagram @queer.growing.support oder per Mail an mich.

Ich biete psychologische Beratung und mehr an. Schau vorbei auf meiner Webseite www.queer.growing.support für mehr Infos dazu.

Musik:
Morning Routine by Ghostrifter Official, https://soundcloud.com/ghostrifter-official, Creative Commons — Attribution-ShareAlike 3.0 Unported — CC BY-SA 3.0, Free Download / Stream: https://bit.ly/_morning-routine, Music promoted by Audio Library https://youtu.be/lsbbGAKhxLI