Jahresrückblick – Ein Jahr queer.growing.support

Jahresrückblick – Ein Jahr queer.growing.support

In dieser Folge mache ich einen Jahresrückblick auf das erste Jahr von queer.growing.support. Und ich spreche darüber, was meine Ziele und Wünsche für das nächste Jahr sind. Hier ist die Zusammenfassung der Folge.

In der Einstiegsrubrik „Ich gspürmi, ich fühlmi“ spreche ich über meinen Winterblues, dass mich die Aussicht auf Ferien und aktuell gerade die Sonne noch etwas motiviert. Und nun in den Jahresrückblick:

Jahresrückblick: Zusammenfassung

Vor etwas mehr als einem Jahr habe ich queer.growing.support gegründet. Ich wollte ein Angebot schaffen, das ich mir selber gewünscht hätte: psychosoziale Beratung bei einer Person, die sich als queer versteht und die mein Queer-Sein nicht als eine Störung sieht. Mit queer.growing.support habe ich einen solchen Raum geschaffen, der es auch mir ermöglicht, ohne Kompromisse das tun zu können, was mich interessiert: (queere) Menschen begleiten zu können.

In diesem Jahr konnte ich bereits ein paar Menschen begleiten. Es hat mir viel Freude gemacht zu sehen, dass mein Angebot auch wirklich Interesse weckt. Und auch, dass ich sehen kann, wie meine klare Positionierung als queer (und mehr) den Menschen, die zu mir kommen, viel Vertrauen und Sicherheit schenkt. Denn es ist auch für mich nicht immer einfach, so sichtbar queer zu sein.

Vermarktung

Mit dem Thema verbunden ist auch das Thema: Wie vermarkte ich mich? Wie mache ich mich bekannter? Ich merke, dass ich hier viel Energie verbrauche. Einerseits weil es auch wirklich anstrengend ist, sich eine Existenz in der Selbständigkeit aufzubauen. Es kostet viel Zeit und Energie und der Erfolg daraus ist – zumindest jetzt in der Anfangsphase – relativ gering. Aber ich lasse mir hier Zeit, denn dank meinem Brotjob in einer Patien*innenorganisation bin ich nicht auf die Einnahmen angewiesen. Andererseits kostet es mich aber auch viel Energie, weil ich immer mehr merke, dass ich nicht gerne im Rampenlicht stehe und mich das „Verkaufen-Müssen“ unter Druck setzt. Das löst bei mir schnell Selbstzweifel aus, die nicht unbedingt produktiv sind. Ich habe mir deshalb für das nächste Jahr vorgenommen, mich hier weniger unter Druck zu setzen. Dass ich z.B. mehr nur dann etwas auf Instagram poste oder einen Podcast veröffentliche, wenn ich Lust darauf habe und mir dann auch mehr Zeit für den Inhalt nehmen möchte.

Auch finde ich es schwierig, mich und mein Angebot zu vermarkten, ohne dass die Sorgen und Ängste von Menschen in schwierigen Situationen auszunutzen. Gerade in einem psychologischen / sozialen Beruf sehe ich hier eine besondere Verantwortung, die Menschen, die zu einem kommen, nicht mit falschen Versprechungen zu locken. Ich bin zwar überzeugt, dass eine Beratung sehr hilfreich sein kann und dass ich als Beratungsperson diese Hilfe auch leisten kann. Gleichzeitig kann es im Einzelfall immer sehr unterschiedlich sein, wie hilfreich eine Beratung / Therapie ist. Oft sind die positiven Veränderungen auch klein, fangen Schritt für Schritt an, und wenn jemand mit sehr hohen Erwartungen zu mir kommt, dann kann das auch enttäuschend sein. Hier eine Sprache und Form zu finden, mein Angebot bekannt zu machen und nicht auf schnelle, einfache Lösungen zu setzen, finde ich schwierig.

Supervision und wie werde ich eigentlich besser als Beratungsperson?

Dann habe ich dieses Jahr auch mit Supervision angefangen. Dies in verschiedenen Formen – einerseits ist es Teil meiner Ausbildung, dass wir in der Ausbildungsgruppe gegenseitig Videos von unseren Sitzungen anschauen und besprechen. Andererseits mache ich auch Einzelsupervision sowie Supervision in der Kleingruppe. Hier ist es für mich noch sehr ein Findungsprozess. Irgendwie finde ich es im Moment nicht besonders hilfreich. Ich suche noch mehr Anleitung, wie ich effektiv besser werden kann und nicht einfach nur erfahrener. Für mich habe ich den Podcast „Very Bad Therapy“ entdeckt, der mir bei dem Thema sehr viel weiterhilft. Im Podcast sprechen zwei Psychotherapeut*innen mit ehemaligen Klient*innen über ihre schlechten Therapieerfahrungen und wie es hätte besser laufen können. Durch den Podcast bin ich auch auf Ansätze wie „Feedback Informed Treatment“ und „Deliberate Practice“ gekommen. Beide geben mir konkrete Werkzeuge an die Hand, wie ich besser Beratung geben kann. Fürs nächste Jahr habe ich mir vorgenommen, diese mehr einzusetzen. Also auch ein Routinevorgehen zu entwickeln, wie ich Feedback von meinen Klient*innen einhole. Und ich werde weiterhin meine Übungen aus der Deliberate Practice machen. Bei den Übungen fokussiert mensch jeweils auf einen bestimmten Skill und übt dann an Videos aus Beratungssitzungen. Deshalb werde ich auch ab und zu Videoaufnahmen von meinen Sitzungen machen. Natürlich nur nach Absprache.

Bilanz aus einem Jahr

Und sonst bin ich stolz auf das, was ich in diesem ersten Jahr schon geschafft habe: Neben den Sitzungen mit Klient*innen waren das zu Jahresende jeweils die Arbeitsbücher zu den Rauhnächten für den Jahresrückblick; dann der Online-Kurs als eine Einführung ins Thema Self-Care und diesen Herbst der Workshop an der LGBTIQ-Conference, der eine tolle Erfahrung war. Insgesamt möchte ich weiterhin mit verschiedenen Formaten experimentieren, auch deshalb, weil Beratung nicht für alle erschwinglich ist.

Nach dem Jahresrückblick: Ausblick auf meine Ziele 2022

Im nächsten Jahr steht mein Abschluss der Ausbildung an. Ich habe aber schon eine Weiterbildung im Auge, und zwar will ich mich noch in Paarberatung (Beziehungsberatung) weiterbilden. Daneben will ich möglichst viel Erfahrung sammeln, sei es selbständig und – sofern möglich – auch im Angestelltenverhältnis. Ich merke auch, dass ich die Zeit und Energie, die ich in queer.growing.support gebe, mehr einschränken muss. Denn neben einem 60%-Job eine Selbständigkeit aufzubauen ist sehr kräfteraubend und eigentlich wollte ich ja nie mehr als 80% arbeiten… Also vermutlich wird es im nächsten Jahr weniger Content von mir geben auf allen Kanälen, sei es dieser Podcast, Instagram oder der Webseite. Ich möchte damit mehr Energie haben für das, was mich eigentlich interessiert: Das Begleiten von Menschen.

Heute schliesse ich meinen Podcast ohne eine Übung am Schluss – mir ist nichts Passendes eingefallen. Aber das wird es auch weiterhin geben. Und: Hier kommst du zu meinem Arbeitsbuch zu den Rauhnächten – am 9.12.21 fängt es an!

Meine Arbeit und den Podcast unterstützen

Ich biete psychologische/ psychosoziale Beratung an. Vielleicht bist du ja gerade auf der Suche nach einer Beratungsperson. Dann schau vorbei auf meiner Webseite https//queer.growing.support für mehr Infos dazu und meine weiteren Angebote.

Wenn dir der Podcast gefällt, dann abonniere ihn gerne, erzähle andern davon und gibt mir eine gute Bewertung. Fragen und Anmerkungen gerne per Instagram @queer.growing.support oder per Mail an mich.

Musik:
Morning Routine by Ghostrifter Official, https://soundcloud.com/ghostrifter-official, Creative Commons — Attribution-ShareAlike 3.0 Unported — CC BY-SA 3.0, Free Download / Stream: https://bit.ly/_morning-routine, Music promoted by Audio Library https://youtu.be/lsbbGAKhxLI